Auch aus Steinen, die in den Weg gelegt werden, kann man Schönes bauen.

Goethe

Beim Moerser Literaturpreis ging es in diesem Jahr um falsche Freunde. Was für eine Vorlage, mit dem Thema kenne ich mich bestens aus.

Mein Text Die Kopistin oder: Oktober, November; fallende Blätter hat es auf den 1. Platz geschafft.

Am letzten Wochende durfte ich daher die wunderbare Preisverleihung im Martinstift Moers genießen. Der Gospelchor Joyful Voices sorgte für gute Laune, die Festrede stimmte auch nachdenklich. Konrad Göke erzählte von Künstlern, ihrer Kunst und ihren Fehlgriffen mitten im Leben. Eine Frage, die aktuell ist: Inwieweit können wir die Kunst genießen, wenn der Künstler "ein Schwein" ist? Gehört zum Künstler eine hohe Moral oder gehört eben nur sein Werk betrachtet?

Schließlich durfte ich den beiden Preisträgerinnen lauschen. Christin Habermann erzählte in pointierter Sprache von einem Möchtegernnazi, der sich nach einem Rechtschreibfehler im Kurs Deutsch für Ausländer wiederfindet. Es steht offenbar nicht gut um den deutschen Widerstand. Ein wichtiger Text mit Gespür für die aktuellen Befindlichkeiten unseres Landes.

Anne Stolle berichtet hintergründig von Beerdigungen, von lebenden und toten Menschen und einer Frau, die sich zu Beerdigungen gesellt, ohne aufzufallen. Was für ein ungeschönter, scharfer Blick auf alltägliche Geschehnisse!

Das ich angesichts dieser Konkurrenz mit meinem Text über eine Frau auf ihrer Suche nach Nähe den ersten Platz zugesprochen bekommen habe, ist großartig. Ich freue mich sehr, zumal ich jetzt zu alt bin für den Preis, der junge Literatur fördert.

Ab jetzt schreibe ich alte Literatur... oder postjunge Literatur? Mal schauen :)

Herzlichen Dank an die Beteiligten für die lieben Worte, die tolle Unterstützung und den wundervollen Vormittag!

Preisverleihung in Moers: Literaturpreis für drei junge Autorinnen (RP Online).

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